Pferde-Salamie

In einer Schuldnerberatung hat der Mandant bisher 8 Gläubiger mitgeteilt. Nichts besonderes dabei: Unterhaltsforderungen, Stromschulden, Bankschulden - ingesamt ca. 20.000,00.

Im Posteingang findet sich folgende Nachricht:

“Wir kümmern uns seit fast 2 Jahren um das Pferd von [Mandant]. I ch wollte nun einmal nachfragen was den mit dem Pferd geschieht wenn [Mandant] sich in der Insolvenz befindet? Muss er das Pferd verkaufen?

Anbei sende ich ihnen die Rechnung für die Angelaufenen Kosten die wir die letzten 2 Jahre getragen haben, mit der bitte diese zu Ihren Unterlagen zu nehmen. Sollten sie weitere Fragen haben können sie sich gerne an mich wenden, da sich das Pferd nach wie vor in unserer Pflege befindet, da sich [Mandant] nicht um das Pferd kümmert, sich aber auch weigert es zu verkaufen. “

Die Rechnung  beläuft sich auf ca. EUR 30.000,00.

Vorausgeschickt: Ich bin ja kein Fan von §  90a BGB.

Niemand weiss, was das Pferd für einen Wert hat. Schlachtwert sind wohl 245 EUR. Kilopreis 0,70 x 350 kg Gewicht. Es habe Mängel und die Muskeln würden noch abgezogen. Ob das Pferd überhaupt zum Schlachter dürfte, kann ich grad nicht beurteilen. Das ergibt sich aus dem Eqidenpass. Das habe ich in einem Insolvenzverfahren vor vielen Jahren schon mal gelernt. Da steht wohl drin, ob aus einem Pferd Salami gemacht werden darf oder nicht.

Dem Gläubiger ist nur wichtig, daß das Pferd nicht zum Schlachter kommt. Jetzt bespreche ich mal mit dem Mandanten, wie er es sich vorstellt. Ein wirkliches Pfand um Geld  zu generieren, stellt es ja offensichtlich nicht dar. Es kostet jeden Monat n Haufen Geld. Das Ziel sollte daher sein: Alles lassen wie es ist, Gläubiger kauft den Gaul später vom Treuhänder, Treuhänder freut sich, kriegt Masse, [Mandant] ist das Tier los und verursacht keine neuen Schulden. Gläubiger meldet seine Forderungen ganz normal zum Insolvenzverfahren an. Eine Quote wird es nach meiner Einschätzung voraussichtlich ohnehin nicht geben.

Jemand ne anderebessere Idee?

4 Reaktionen zu “Pferde-Salamie”

  1. lektor

    Salami ohne “e” vielleicht? ;-)

  2. NoNmae

    Hmm, 30.000 Teuro für 24 Monate - Also 1250 Euro pro Monat? Das ist weit über den üblichen Einstallungskosten, selbst in hochpreisigen Ballungszentren (D oder M). Selbst inkl. Tierarzt und Beritt ists ne Menge Holz…

    BOT: Der Schuldner soll dem Pflerger die Papiere des Tieres aushändigen - ein Pferd, das 125o im Monat kostet ist krank, ergo nicht Salamitauglich und somit wertlos.

  3. isja

    lektor:
    hm :) tatsächlich augenkrebsverdächtig, aber ich lass es jetzt so stehen.

  4. isja

    Naja, die Forderung beurteilen und feststellen oder bestreiten muß dann der Treuhänder. Ich hab nur länger über Aufrechnung nachgedacht, aber da fehlt es mir an der Gleichartigkeit der sich gegenüberstehenden Forderungen.

    Daher: PAL. Problem Anderer Leute.

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