Strohfrau im Zeitdruck

“Wissen Sie, ich bin Strohfrau, aber sagen Sie besser blöde Kuh zu mir.” erzählt mir Frau B. in gebrochenem Deutsch. Sie lächelt gequält.

Niemals im Leben würde mir einfallen, grundlos zu jemanden blöde Kuh zu sagen ;).

“Wir sind jetzt seit über 30 Jahren verheiratet, aber wir leben nicht mehr zusammen. Was sollte ich denn anderes tun, als das Gewerbe auf mich anzumelden.” Frau B. seufzt. Seit vielen Jahren war ihr Mann als Scheinselbständiger Subunternehmer für eine Fensterbaufirma tätig. Irgendwas ist schiefgelaufen im Jahr 2008. Deswegen mußte Herr B., 59 Jahre, Insolvenz anmelden. Bzw. es ist ein wenig nachgeholfen worden seitens eines Gläubigers.

Sie habe sich dann bequatschen lassen. Das Unternehmen haben sie dann offiziell weitergeführt. Der Insolvenzverwalter ihres Mannes habe gesagt, “Mann nix mehr machen, verboten.”

Frau B. hat leider vergessen, die Arbeitnehmeranteile für die Krankenkasse ihres Angestellten - Herr B. - zu bezahlen. Nun stellte der gleiche Gläubiger wie bei ihrem Mann Insolvenzantrag gegen Frau B.

Große Augen schauen mich an: “Wie? Er kann das Gewerbe wirklich wieder selber machen?.” “Ja. Klar. Völlig unproblematisch. Einfach anmelden. Fertig.” meine Antwort. “Ach, und dem Treuhänder noch Bescheid geben. Das schadet auf keinen Fall.” Das Insolvenzverfahren von Herrn B. ist längst aufgehoben. Pfändbare Beträge haben sich bisher nicht ergeben und werden sich nach meiner Einschätzung auch in Zukunft nicht ergeben, § 295 Abs. 2 InsO. Ich habe keine Anhaltspunkte für eine rechtskräftige Gewerbeuntersagung.

“Und was machen wir jetzt mit mir?” Frau B. ist ja eigentlich wegen sich selbst zu mir gekommen. Die Zeit drängt. Wenn ein Fremdantrag gestellt worden ist und das Insolvenzverfahren dann eröffnet wird, kann kein erfolgreicher Antrag auf Restschuldbefreiung mehr gestellt werden.

Der bereits bestellte vorläufige Insolvenzverwalter will auch arbeiten. Fristverlängerung beim Gericht für die Vorlage des Anhörungsbogens habe ich schon gestellt. Dann mal die Unterlagen in den nächsten Tage aufbereiten und dann den

- Eigenantrag mit Anhörungsbogen
- Antrag auf Kostenstundung
- Antrag auf Restschuldbefreiung
- Abtretungserklärung
- sonstige Anlagen

- sprich: ein halbes Kilo Papier - beim Amtsgericht einreichen.

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