2. Aufguss

Im Anrufe-Verteiler - dort werden die Anrufe zum Erledigen erfasst - findet sich Frau K. 2 x. Vormittags und Nachmittags. Leider steht nichts weiter dabei außer “Rückruf erwünscht”.

“Es ist alles so gekommen, wie Sie schon im November vorausgesagt haben.” resümiert Frau K. Wir haben uns damals getroffen zum Erstgespräch.

Schon nach wenigen Zahlen und Daten habe ich ihr damals gesagt, daß es 5 nach 12 ist und es so, wie es derzeit ist, nicht funktionieren wird. Sie berichtet mir, daß sie in den letzten Monaten vergeblich versucht hat, nochmal irgendwo einen weiteren Kredit zu erhalten. Abgeraten hatte ich; wäre aber ohnehin nicht notwendig gewesen. Schon mit den damaligen Daten hätte niemand neues frisches Geld gegeben.

Statt dessen hat sie sich entschieden, sich einen “Unternehmensberater” von einer “Beraterbörse” von der K*W zu suchen. “Wissen Sie, der macht nichts. Und wenn er mit mir redet, dann sind das nur Vorwürfe. Daß ich es verbockt habe, ist mir klar, aber deswegen braucht er mich doch nicht auch noch fertig machen.”

Ich freue mich, daß sie sich wieder meldet nach ca. 8 Monaten. Und noch mehr freue ich mich, daß Sie mir damals ganz offensichtlich zugehört hat:

“Mir ist ganz wichtig, daß ich weiter selbständig bleiben kann. Das ist doch so, wie Sie damals erklärt haben? ” fragt sie zögerlich. “Ja. Daran hat sich nichts geändert. Wir müssen dann die Freigabe Ihres Gewerbes mit dem Insolvenzverwalter besprechen.” antworte ich.

“Und das mit der Abkürzung?” Juhu! Ich freu mich. Das Erstgespräch war ganz offensichtlich sehr fruchtbar. “Frau K., ich freu mich sehr über Ihren Anruf. Sie haben gut aufgepasst damals. Ein Insolvenzplanverfahren? Wenn die notwendigen Drittmittel vorhanden sind, ist die schwierigste Hürde genommen.”

Wir vereinbaren einen Termin für die nächsten Tage. Derweil richtet Sie die Unterlagen her. “Nein, bitte keine Excel-Liste mit den Gläubigern machen.” Einfach alles Papier mitbringen. Dann schauen wir weiter.

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